Was ist Arbeit wert?

Leiharbeit regeln

Leiharbeit regeln

 

Mit Leiharbeit konnten Unternehmen einst Auftragsspitzen vorübergehend mit externen Beschäftigten abfedern. Doch daraus entwickelte sich ein Geschäftsmodell, wo die Ausnahme zur festen Firmenpolitik wurde – zulasten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Auch wenn sie die gleiche Arbeit erledigen, haben sie weniger Rechte als die Stammbelegschaft und das Risiko, morgen plötzlich in einer anderen Firma oder gar nicht mehr eingesetzt zu werden.

Dieser Aufspaltung der Belegschaften, die nur Verunsicherung sät, schiebt die IG Metall immer mehr Riegel vor: In Tarifverträgen durchgesetzte Branchenzuschläge sorgen nun dafür, dass Leihbeschäftigte annähernd wie ihre bei der Firma direkt angestellten Kollegen bezahlt werden. Auch vor Ort setzten die IG Metall-Betriebsräte und Mitglieder einiges in Bewegung: Auf Druck von Betriebsrat und IG Metall wurde zum Beispiel bei der Luitpoldshütte in Amberg vereinbart, Leiharbeiter nach einem Einsatz von insgesamt einem halben Jahr zu übernehmen.

 

Bin ich nur befristet gut?

Bin ich nur befristet gut?

 

Schule, Firma, Rente: Solche Lebensläufe sind nur noch sehr selten. Das unbefristete Normalarbeitsverhältnis wird zunehmend unnormal, gerade junge Beschäftigte hangeln sich von einer Befristung zur nächsten. Unter 35-Jährige sind überdurchschnittlich oft in Leiharbeit beschäftigt und nur 40 Prozent von ihnen hatten selbst schon einmal einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Befristungen schaffen Unsicherheit im Job und damit Unsicherheit für die gesamte persönliche Lebens- und Familienplanung. Die IG Metall sagt deshalb: Für das gegenseitige Austesten im Job muss die Probezeit reichen. Ganz praktisch regelt sie mit ihren Mitgliedern das Problem der ausufernden Verträge auf Zeit etwa wie bei Airbus mit einem Zukunftstarifvertrag: Das Unternehmen ließ sich 2012 verpflichten, ab 2015 in der Serienfertigung nur noch höchstens fünf Prozent an Beschäftigten mit befristeten Verträgen und 15 Prozent Leiharbeiter einzusetzen. Möglich war diese Verbesserung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten jedoch nur mit einer starken, in der IG Metall organisierten Belegschaft.

 

Kollegen statt Konkurrenten

Kollegen statt Konkurrenten

 

Der Zeitgeist der vergangenen Jahre, gestiegene Anforderungen für die Beschäftigten und Entlassungen infolge von Wirtschaftskrise und Managementfehlern wirken auch auf die Stimmung in den Betrieben: Aus Furcht vor Schlechterstellungen oder Jobverlusten werden oft Kollegen zu innerbetrieblichen Konkurrenten.

Die Erfahrung zeigt: Wo es keine starken, in der Belegschaft verankerten Betriebsräte gibt, ist es um den Betriebsfrieden schlechter bestellt. Betriebsräte als Interessenvertreter aller Arbeitnehmer können Kritik aufnehmen und mit Betriebsvereinbarungen viele Bereiche des Betriebs regeln. Das Ziel ist klar: Nur mit
Gerechtigkeit im Betrieb gibt es auch Kollegialität.

Ausdruck der Kollegialität ist übrigens auch, wenn sich die Bezahlung entsprechend der Aufgaben und Erfahrung des Einzelnen nach einem Tarifvertrag richtet – und nicht nach der Nase des Beschäftigten …

 

Zählen nur Zahlen?

Zählen nur Zahlen?

Klar ist: Unternehmen müssen Geld verdienen. Und das geht nur mit guten Arbeitskräften. Dementsprechend ist es unser Ziel als IG Metall, dass Firmen wirtschaftlich zukunftsfest aufgestellt sind: Zahlen zählen also. Unsere Messlatte ist insbesondere die Gerechtigkeit: Uns ist dabei wichtig, dass Profite denjenigen zugutekommen, die sie mit ihrer Arbeitskraft erwirtschaften. Nur Firmen, die auf gute Arbeit und Nachhaltigkeit Wert legen, sind auf Dauer erfolgreich – und nicht auf den schnellen Profit ausgelegte Finanzinvestoren.

Laut Studien sind Unternehmen mit starken Betriebsräten auch innovativer und wirtschaftlich erfolgreicher. Ein entscheidender Grund, warum Deutschlands Firmen die Finanz- und Wirtschaftskrise gut überwunden haben, lag in den gewerkschaftlichen Lösungsstrategien, wie etwa dem Abbau von Arbeitszeitkonten, der Verlängerung der Kurzarbeitsregelungen und der Abwrackprämie, die die Beschäftigung für Automobilhersteller und Zulieferindustrie in dieser Zeit wirksam unterstützte.

Video abspielen

Jacqueline (27)

Jacqueline bewegt das Thema Sicherheit: „Ich muss viel von meinem Privatleben zurückstellen, damit ich vielleicht einmal ein anständiges Leben in meinem Beruf habe“, sagt die Werkzeugmacherin.

Wem nützt Angst?

Wem nützt Angst?

Wer alleine ist, gerät leichter unter Druck und kann seine Interessen nicht wirksam durchsetzen. Gemeinsam mit anderen lässt sich mehr erreichen. Das gilt für kollektive Regelungen wie Tarifverträge, die für Branchen oder Firmen gelten. Das gilt aber auch für jede und jeden Einzelnen. Eine kompetente juristische Beratung und der im Mitgliedsbeitrag bereits enthaltene Rechtsschutz im Rücken geben jedem IG Metall-Mitglied die Ruhe, im Betrieb vor allem seine eigentliche Arbeit tun zu können statt an mögliche Angriffe denken zu müssen. Gewerkschaftlich ausgehandelte Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen lassen die Beschäftigten ruhiger schlafen. Mit ihnen muss nicht jede und jeder Einzelne jede Kleinigkeit von einer schwachen Position heraus mit dem Arbeitgeber aushandeln.

Recht richtig nutzen

Recht richtig nutzen

 

Konflikte im Betrieb und mit dem Arbeitgeber lassen sich nicht immer vermeiden. Eine Beratung bei der IG Metall klärt sehr früh, ob ich Recht habe und wie ich mein Recht auch wirklich durchsetzen kann. Denn schwelende Konflikte rauben Energie und Spaß an der Arbeit.
Darum ist der Rechtsschutz durch die IG Metall so wichtig und beruhigend. Die Experten geben den Mitgliedern (Rechts-)Sicherheit. Durch die guten Kontakte zu den Betriebsräten lassen sich viele Unstimmigkeiten bereits im Vorfeld klären, was eine gerichtliche Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber vermeidet – und trotzdem die Rechte der Beschäftigten wahrt. Die Beratung von Mitgliedern erfolgt zudem ohne finanzielle Interessen – der Rechtsschutz ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

 

Was ist Arbeit wert?

Was ist Arbeit wert?

Gleiche Arbeit, gleiches Geld: Was logisch sein sollte, ist für viele Beschäftigte keine Selbstverständlichkeit. Noch immer gibt es große Unterschiede in der Bezahlung: von Leiharbeitern oder Werksvertragsbeschäftigten und der Stammbelegschaft, Frauen und Männern.
Firmen sollen miteinander konkurrieren – aber nur über ihre Produkte und Dienstleistungen und nicht über die Löhne und Rechte ihrer Beschäftigten. Nur Tarifverträge garantieren, dass sich weder Firmen noch die einzelnen Beschäftigten gegenüber den anderen unterbieten müssen. Tarifverträge regeln die Mindestbedingungen weit über den gesetzlichen Standard hinaus: So erlaubt das Arbeitszeitgesetz etwa eine 48-Stunden-Woche. Tarifverträge der IG Metall begrenzen die Arbeitszeit auf 35 bis 38 Stunden und regeln Zuschläge für Schicht-, Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit. Während Beschäftigte normalerweise nur vier Wochen Urlaub nehmen dürfen, haben sie mit einem Tarifvertrag Anspruch auf sechs Wochen bezahlten Urlaub – plus tarifliches Urlaubs- und Weihnachtsgeld.
Tarifverträge, die auch die Grundlage für die Bezahlung und die Entgeltsteigerungen von übertariflich bezahlten Beschäftigten bilden, sind aber kein Geschenk des Arbeitgebers und fallen nicht vom Himmel. Sie werden mit der Gewerkschaft ausgehandelt und sind nur so gut wie die Zahl der organisierten Beschäftigten in den Betrieben.
Übrigens: Nicht alle angeblich übertariflichen Angestellten verdienen wirklich mehr. Eine Beratung durch die IG Metall wird manche Behauptungen des Arbeitgebers entkräften.

 

AT nicht immer OK

AT nicht immer OK

Immer häufiger locken Unternehmen höherqualifizierte Angestellte mit sogenannten außertariflichen Verträgen. Das darin vereinbarte Gehalt mag verlockend klingen. Die vorgebliche Wertschätzung entpuppt sich aber oft als Arbeitszeit-Flatrate: Die Verträge gelten nicht selten unzulässigerweise etwa Mehrarbeit pauschal mit dem Gehalt ab und stellen allein in diesem Punkt „AT-Beschäftigte“ schlechter als tariflich Beschäftigte. Denn Tarifverträge bieten noch viel mehr Leistungen als die monatliche Überweisung auf das Konto: Urlaubsdauer, Urlaubs- und Weihnachtsgeld. So müsste ein Beschäftigter in der Metall- und Elektroindustrie in Niedersachsen tatsächlich mehr als 6440 Euro monatlich verdienen, um wirklich außertariflich bezahlt zu werden.

Außertariflich Beschäftigte sind keineswegs automatisch leitende Angestellte. Auch für sie ist der Betriebsrat zuständig: Er verhandelt Betriebsvereinbarungen aus, hat Mitbestimmungs- und Initiativrechte. Und auch für AT-Beschäftigte ist die IG Metall mit ihrer gesamten Kompetenz da: im Betrieb und mit persönlicher Beratung. Kurze erste Informationen erhalten Sie im „Kleinen Ratgeber für AT-Beschäftigte“.

Werde ich in der Rente alt aussehen?

Werde ich in der Rente alt aussehen?

Je länger es bis zur eigenen Rente noch ist, desto größer ist die Verunsicherung:  Gerade junge Beschäftigte zweifeln daran, dass ihre Rente später für ein gutes Leben reicht. Zu Recht: Im Gesetz steht, dass die Renten künftig geringer wachsen als die Einkommen. Das heißt: Die Rentner von morgen werden abgehängt. Was das für die einzelnen Beschäftigten bedeutet, zeigt der Renten-Rechner der IG Metall.

Das Zukunfts-Risiko sollen die Beschäftigten nach dem Willen von Politik und Arbeitgebern privat mit extra Versicherungen absichern, die damit eigene Profite machen wollen. Mindestens 4 Prozent des Bruttolohns sollen sie dafür zurücklegen, um das sinkende Rentenniveau auszugleichen – während der Beitrag für Arbeitgeber zur Finanzierung der Altersvorsorge gedeckelt ist.

Im Betrieb setzt sich die IG Metall z.B. dafür ein, dass Arbeit nicht krank macht und die Beschäftigten bis zur Rente durchhalten können. Und wer das nicht kann, soll z.B. durch Altersteilzeit schon vor dem starren Rentenalter aussteigen können.

Gegenüber der Politik fordert die IG Metall aber auch: Die Beschäftigten sollen sich auch auf die gesetzliche Rente später verlassen können und so eine Sorge weniger haben müssen. Dazu hat sie die Kampagne „Mehr Rente – mehr Zukunft“ gestartet und zeigt mit ihrem Rentenkonzept, dass das finanzierbar ist.

 

Video abspielen

Mustafa (30)

Firmen behandeln Beschäftigte wie Orangen, findet Mustafa. Der Industriemeister fragt: „Jedes Unternehmen braucht Erfolg. Aber muss man alles aus der Orange rauspressen?“