Wem gehört meine Zeit?

Gibt es auch Hobbys für nachts?

Gibt es auch Hobbys für nachts?

 

Verabschiedet sich der Kollege ausnahmsweise einmal pünktlich in den Feierabend, meint der andere: „Na, heute einen halben Tag Urlaub?“ Ein beliebter Witz, der die Wirklichkeit in den Unternehmen ganz gut trifft: Nur noch jeder sechste Beschäftigte hat montags bis freitags feste, regelmäßige Arbeitszeiten. Alle anderen müssen auch abends, nachts oder am Wochenende ran. Knapp 44 Prozent arbeiten samstags und ein Viertel auch am Sonntag. Hobbys, Ausgleich und Erholung bleiben da schnell auf der Strecke.

Damit die Arbeitszeit nicht ausufert, setzen Tarifverträge den Rahmen und regeln verbindlich die Wochenarbeitsstunden. Starke Betriebsräte achten darauf, dass die tariflichen Standards eingehalten werden und entwickeln – wo nötig – zusammen mit Hilfe der IG Metall innovative, flexible Arbeitszeitmodelle. Angemessene Arbeitszeiten waren schon immer ein wichtiges Anliegen der Gewerkschaften: von der Einführung der Fünf-Tage-Woche bis zur Durchsetzung der 35-Stunden-Woche. Denn nur wer genügend Gelegenheiten zum Auftanken hat, kann langfristig einen guten Job machen

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Wunschkind oder Traumjob?

Wunschkind oder Traumjob?

 

Schön wäre beides. In der Realität lassen sich Kind und Karriere aber immer noch schlecht vereinbaren. Neun von zehn Beschäftigten in der Altersklasse bis 35 Jahre wünschen sich daher erweiterte betriebliche und gesetzliche Lösungen zur besseren Vereinbarung von Arbeit und Leben: für die Familie, Privates, politisches Engagement oder den Lieblingsverein.

Die IG Metall setzt sich für mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeitgestaltung ein, die den Beschäftigten mehr Freiräume verschaffen. Beispielsweise beim niederbayerischen Medizintechnikhersteller Qioptiq in Regen: Normalerweise wird dort in drei Schichten gearbeitet. Die Frühschicht beginnt um 6 Uhr – für Eltern von kleinen Kindern nicht machbar. Für sie wurden spezielle Arbeitsplätze außerhalb des Schichtplans eingerichtet, sodass sie ihre Kinder vor Arbeitsbeginn in die Kita bringen können. Festgezurrt hat der Betriebsrat diese Absprachen in einer Betriebsvereinbarung – und die Regelung damit auf eine rechtlich verbindliche Grundlage gestellt. Das gibt den Eltern Planungssicherheit.

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Können Firmen auch flexibel?

Können Firmen auch flexibel?

 

„Nine to Five“ war gestern. Heute ist Flexibilität gefragt. Und im Prinzip ist das ja auch gut so – wenn Flexibilität keine Einbahnstraße ist und die vereinbarte Arbeitszeit nicht ausufern lässt. Für fast jeden dritten Beschäftigten ändert sich die tägliche Arbeitszeit häufig oder sogar ständig, wie eine Befragung der IG Metall ergeben hat. Jeder Vierte arbeitet häufig außerhalb der regulären Arbeitszeit. Gleichzeitig sammeln sich auf den Arbeitszeitkonten Plusstunden, die irgendwann verfallen. Zum Abfeiern ist keine Gelegenheit – irgendetwas muss immer dringend erledigt werden. Die IG Metall sagt: Zu Flexibilität gehört zwangsläufig die genaue Begrenzung der Arbeitszeit.

Dass es auch anders geht, stellt die IG Metall in den Betrieben immer wieder unter Beweis. Zum Beispiel als einer von vielen unterschiedlichen Lösungen beim IT-Dienstleister Gothaer Systems. Dort gibt es keine Kernarbeitszeiten mehr, Beschäftigte können unbegrenzt Gleittage nehmen, zu viel geleistete Arbeitszeit verfällt nicht. Wer 50 Plus-Stunden überschreitet, muss die tägliche Arbeitszeit auf sechs Stunden reduzieren. Das Beispiel zeigt: Firmen können auch flexibel – wenn starke Betriebsräte mit vielen IG Metall-Mitgliedern hinter sich gute Ideen durchsetzen.

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Das mache ich dann alles im Urlaub?

Das mache ich dann alles im Urlaub?

 

Das Telefon klingelt ununterbrochen, das E-Mail-Fach quillt über, der Abgabetermin war eigentlich schon gestern und das nächste Projekt wartet schon. Da ertappt sich mancher bei dem Gedanken: „Jetzt eine Woche Urlaub – da könnte ich mal in Ruhe ein paar wichtige Dinge abarbeiten.“ Bei Umfragen gibt inzwischen fast jeder dritte Beschäftigte an, dass er seit Jahren immer mehr in der gleichen Zeit leisten muss. Die Hälfte der Befragten geht sogar krank zur Arbeit.

Von alleine regelt sich hier nichts. Betriebsräte haben hierfür einen großen Werkzeugkasten. Aber: Erst wenn sie von den Problemen erfahren, können sie auch aktiv werden.

Die IG Metall setzt sich für eine gesunde Balance zwischen Arbeit und Leben ein – unter anderem mit der „Anti-Stress-Initiative“. Die IG Metall unterstützt Betriebsräte mit praktischen Instrumenten dabei, krank machenden Arbeitsstress in ihren Unternehmen frühzeitig zu erkennen und abzustellen. Das hilft jedem einzelnen Beschäftigten, der sich auch direkt bei der IG Metall beraten lassen kann. Darüber hinaus macht sich die IG Metall auf politischer Ebene für eine Anti-Stress-Verordnung stark.

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Yasmin (23)

Ist es schlimm, die eigene Freizeit genießen zu wollen? „Nein“, sagt Industriekauffrau und Hobbyboxerin Yasmin. Sie sagt, warum das auch ihrer Firma nutzt.

Arbeitszeit-Check

Arbeitszeit-Check

 

Die tatsächlichen Arbeitszeiten werden wieder länger. Untersuchungen zeigen: Die tarifliche Wochenarbeitszeit wird fast immer um mindestens drei bis vier Stunden überschritten. Schicht- und Wochenarbeit nehmen tendenziell zu. Heute arbeiten über 60 Prozent der Arbeitnehmer in der Industrie im Schichtbetrieb. Darüber hinaus werden die Arbeitszeiten insgesamt flexibler und differenzierter.

Wie gut oder schlecht Ihre Arbeitszeiten sind, können Sie mit dem Arbeitszeit-Check herausfinden – und gegebenenfalls gemeinsam mit Ihrer IG Metall vor Ort erste Überlegungen für Verbesserungen anstellen.

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Teilzeit-Karriere

Teilzeit-Karriere

 

Mehr Zeit für Privatleben, Familie und Pflege. Das ist gerade für Arbeitnehmer mit Kindern ein wichtiges Anliegen. Von den Vollzeitbeschäftigten würde laut einer IAB-Studie mehr als jede und jeder Dritte gerne die Arbeitszeit reduzieren – und trotzdem im Beruf vorankommen.

Am Daimlerstandort Wörth funktioniert das schon ganz gut. Gleich mehrere Betriebsvereinbarungen – initiiert durch den Betriebsrat – geben Beschäftigten die Möglichkeit, flexibel auf die Anforderungen des Privatlebens zu reagieren, egal ob Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen sind. Sie regeln verkürzte Tages-, Wochen- bzw. Monatsarbeitszeit, Blockteilzeit, Jobsharing, Arbeit auf Abruf und berufliche Auszeiten in Form von Sabbaticals – je nach persönlicher Lebenssituation. Väter und Mütter können ihre Elternzeit verlängern – mit der Zusage, auf dem alten Tarif- und Qualifikationsniveau wieder eingestellt zu werden.

Das geht natürlich nur in Unternehmen mit starken Gewerkschaftern und vielen IG Metall-Mitgliedern. Darüber hinaus macht sich die IG Metall auf politischer Ebene stark für ein breit gefächertes Angebot zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Genauso wichtig ist der IG Metall der Schritt in die andere Richtung: Vier von zehn Teilzeitbeschäftigten würden gerne mehr arbeiten – bei entsprechender Bezahlung. Denn sie werden oft als Vollzeit-Kräfte missbraucht: Überstunden werden bei Teilzeit-Beschäftigten aber erst dann bezahlt, wenn sie so viel wie ihre Vollzeit-Kollegen gearbeitet haben.

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Der richtige Rhythmus

Der richtige Rhythmus

 

Nachtarbeit und Schichtwechsel zwingen den Beschäftigten einen Takt auf, der gegen ihren biologischen Rhythmus geht. Daher kämpfen sie oft mit gesundheitlichen Problemen. Aber es gibt Möglichkeiten, den Wechsel gesünder zu gestalten. Zum Beispiel vorwärtsrollierende Schichten (Früh-Spät-Nacht) und möglichst nur drei Nachtschichten hintereinander. Darüber berät der Betriebsrat oder die IG Metall vor Ort.
Außerdem verrät der Ratgeber „Nacht- und Schichtarbeit“ ein paar Tricks, die den Taktwechsel erträglicher machen. Wer die Tipps beherzigt, kann auch mit unregelmäßigen Arbeitszeiten gut zurechtkommen. Hier geht es zum Ratgeber.

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Besser leben mit Tarif

Besser leben mit Tarif

Die Tarifverträge der IG Metall regeln viel mehr als die wichtige Geldfrage. Ohne sie würden nur die gesetzlichen Standards gelten. Beispiel Urlaub: Statt nur 20 Tage können sich Beschäftigte mit Tarifvertrag jährlich 30 Tage von der Arbeit erholen. Das gleiche gilt für die Arbeitszeit (35 bis 38 statt gesetzlich geregelte 48 Stunden in der Woche) – und zu den Themen Altersvorsorge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Übernahme und Freistellungen weiß das Gesetz im Gegensatz zu den Tarifverträgen gar nichts.

Tarifverträge schaffen Vergleichbarkeit, Gerechtigkeit und schließen Willkür gegenüber den Einzelnen im Betrieb aus. Sie werden durch die Gewerkschaftsmitglieder durchgesetzt und sind kein Geschenk der Arbeitgeber. Trotzdem versuchen manche Firmen durch die freiwillige Anwendung von Tarifverträgen ihre Beschäftigten von der Organisation in Gewerkschaften abzuhalten. Oder sie gaukeln ihren Beschäftigten vor, dass sie „übertariflich“ oder „außertariflich“ bezahlt würden. Hier lohnt sich ein genauer Blick in den Arbeits- und Tarifvertrag bei einer Beratung der IG Metall. Denn sehr oft erweisen sich die angeblichen Besserstellungen im Vergleich zu einem Tarifvertrag als Minusgeschäft.

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Franziska (24)

Entscheidet für die Karriere, was jemand tut oder wer etwas tut? Elektromeisterin Franziska bekam schon zu spüren, wie mit zweierlei Maß gemessen wird.